Controller fürs Smartphone: Welche Gamepads sich für Mobile Gaming lohnen
Teleskop-Controller, Bluetooth-Pad oder Konsolen-Controller? Was die Bauformen fürs Smartphone können, wo die Latenz liegt und für wen sich welcher Typ lohnt.
Wer auf dem Smartphone mehr spielt als ein paar Runden Puzzle, kennt das Problem: Der Daumen verdeckt das halbe Bild, die virtuellen Sticks rutschen, und nach zwanzig Minuten tut das Handgelenk weh. Ein Controller löst das, aber der Markt ist unübersichtlich. Teleskop-Pads, Bluetooth-Controller mit Handyhalter, der Konsolen-Controller aus dem Wohnzimmer: Jede Bauform hat eigene Stärken.
Die drei Bauformen im Überblick
- Teleskop-Controller wie Backbone One, Razer Kishi V2 oder GameSir G8 Galileo nehmen das Smartphone zwischen zwei Griffhälften auf und werden per USB-C oder Lightning direkt eingesteckt.
- Bluetooth-Controller mit Clip sind klassische Gamepads, auf die oben eine Halterung für das Handy geklemmt wird. 8BitDo und GameSir bieten solche Modelle an.
- Konsolen-Controller, also Xbox Wireless Controller oder DualSense der PS5, lassen sich per Bluetooth mit iOS und Android koppeln.
Was all diese Geräte gemeinsam haben und wie sich das Gamepad seit den Zeiten von NES und Mega Drive entwickelt hat, fasst der Wikipedia-Artikel zum Gamepad kompakt zusammen.
Direkt eingesteckt: Teleskop-Controller
Die Teleskop-Bauform ist für unterwegs die praktischste Lösung. Das Smartphone sitzt fest zwischen den Griffen, die Verbindung läuft über den Ladeanschluss und damit ohne merkliche Verzögerung. Der Akku des Controllers entfällt, weil er vom Handy mit Strom versorgt wird. Einige Modelle haben einen Durchlade-Port, damit das Smartphone bei langen Sessions trotzdem am Kabel hängen kann.
Zwei Punkte sollte man vor dem Kauf prüfen. Erstens die Passform: Dicke Hüllen müssen meist runter, und große Kamerabuckel stoßen bei manchen Modellen an. Zweitens die Sticks. Der GameSir G8 Galileo setzt auf Hall-Effekt-Sticks, die mit Magnetfeldern statt mechanischen Schleifkontakten arbeiten und deshalb kaum zu Stick-Drift neigen. Bei günstigeren Modellen ist das noch nicht Standard.
Bluetooth: Flexibel, aber mit Abstrichen
Bluetooth-Controller funktionieren mit fast jedem Gerät, auch mit Tablets und dem Fernseher. Der Nachteil ist die zusätzliche Latenz. Bei Rollenspielen, Strategietiteln oder Rennspielen fällt sie kaum auf. In schnellen Shootern merken geübte Spielerinnen und Spieler den Unterschied zur Kabelverbindung durchaus. Der Clip-Halter verschiebt außerdem den Schwerpunkt nach oben, was bei schweren Pro-Modellen auf Dauer unbequem wird.
Der Xbox-Controller ist ein Sonderfall: Wer ihn ohnehin besitzt, braucht für den Einstieg nichts zu kaufen außer einer Halterung für wenige Euro. Für Cloud-Gaming über Xbox Cloud Gaming oder GeForce Now ist er die naheliegende Wahl, weil die Tastenbelegung dort ohnehin auf das Xbox-Layout ausgelegt ist. Welche Vor- und Nachteile Konsolen gegenüber dem PC grundsätzlich haben, steht in unserem Ratgeber PC vs. Konsole.
Welche Spiele Controller überhaupt unterstützen
Ein Controller nützt wenig, wenn das Spiel ihn ignoriert. Große Titel wie Call of Duty: Mobile, Genshin Impact oder die Umsetzungen von Konsolenklassikern unterstützen Gamepads vollständig. Bei vielen anderen Spielen bleibt es bei Touch-Steuerung, besonders bei Titeln, die vom Entwickler bewusst nur für den Bildschirm gebaut wurden. Wer viel streamt, ist auf der sicheren Seite: Cloud-Dienste setzen den Controller fast immer voraus. Die Kollegen von inside digital testen regelmäßig neue Smartphones und Zubehör, ein Blick dorthin lohnt sich vor dem Kauf eines Controllers.
iPhone oder Android: Worauf man achten muss
Beim iPhone lohnt sich ein Blick auf das MFi-Siegel. Es zeigt, dass Apple den Controller zertifiziert hat und dass er sich ohne Umwege mit iOS versteht. Seit dem iPhone 15 haben alle Modelle USB-C, ältere Geräte brauchen einen Controller mit Lightning-Stecker. Wer das Smartphone bald wechselt, sollte das beim Kauf bedenken. Bei Android ist USB-C seit Jahren Standard, dafür ist die Vielfalt an Gehäuseformen größer. Hersteller wie Razer und GameSir geben auf ihren Produktseiten Kompatibilitätslisten an, die man vor der Bestellung durchsehen sollte.
Preislich liegen bekannte Teleskop-Controller meist im Bereich zwischen 60 und 130 Euro. Günstige No-Name-Modelle gibt es deutlich billiger, sie sparen aber oft genau an den Teilen, die man jeden Tag in der Hand hat: Sticks, Schultertasten und Gelenk der Teleskop-Mechanik. Ein Controller mit wackeligem Auszug macht auf Dauer weniger Freude als die Touch-Steuerung, die er ersetzen soll. Ein kurzer Blick in Nutzerbewertungen, die nach einigen Monaten Gebrauch geschrieben wurden, ist hier aufschlussreicher als jedes Datenblatt.
Fazit: Teleskop für unterwegs, Konsolen-Pad für zu Hause
Wer regelmäßig in Bahn oder Bus spielt, sollte zu einem Teleskop-Controller mit direkter USB-C-Verbindung greifen und auf Hall-Effekt-Sticks achten. Wer hauptsächlich zu Hause auf dem Sofa per Cloud spielt, kommt mit dem vorhandenen Xbox- oder PlayStation-Controller und einem günstigen Halter am besten weg. Bluetooth-Pads mit Clip sind der Kompromiss für alle, die ein Gerät für Handy, Tablet und Fernseher wollen.